Mamasein

Ü7, wie der Stress uns wieder hat

Da beginnt die wunderbare Weihnachtszeit. Süßer die Glocken nie klingen… Na ja, bei uns ist das anders. Noten, Noten, Noten. Wir wissen gar nicht mehr wann wir was lernen sollen. Mich macht dieser Stress wahnsinnig, weil ich ihn den Kindern nicht nehmen kann. Ü7 ist ein wichtiger Schritt und nein, der Druck geht nicht von den Lehrern oder der Schule aus, sondern von dem System, in dem wir uns befinden. Ein System, das geprägt ist von Noten. Da ist es egal, ob das Kind einen schlechten Tag hatte oder Streit mit den Eltern am Morgen, weil auch sie Stress haben, benotet werden muss. Wenn wir es genau betrachten, stellt sich die Frage, was benotet wird? Wenn ich mir die letzten Jahre meiner vier Kinder betrachte, dann muss ich feststellen, dass in diesem System die Fehler benotet werden. Es wird nicht geguckt, was das Kind kann, sondern was es noch nicht kann. Dabei wird der Punkt außer Acht gelassen, dass die Kinder auf die Schule gehen, um die Dinge, die sie nicht können, zu erlernen. Warum muss das geprüft werden? Stellt man als Lehrkraft nicht täglich fest, ob die Kinder sich weiterentwickeln? Stellt man als Lehrkraft nicht fest, ob Kinder sich Kompetenzen aneignen? Wenn Kinder die Kompetenz des Schneidens erlernen im Kindergarten, gibt es doch keine Scherenprüfung oder? Oh doch, mir fällt grad ein, dass es mittlerweile für alles einen Führerschein gibt, selbst einen Scherenführerschein habe ich gefunden. Ihr sollt mich jetzt nicht falsch verstehen. Natürlich ist es unheimlich wichtig für die Entwicklung, dass die Kinder mit der Schere umgehen können, da das Schneiden eine motorische Herausforderung ist. Ich finde nur, dass man das durchaus beobachten und nicht gleich bewerten muss.

Kompetenzen….hat die nicht jeder? Irgendwelche, irgendwie?

Kompetenzorientierter Rahmenlehrplan. Was für ein wunderschönes Wort. Unsere Kinder sollen also kompetenzorientiert lernen. Ich frage mich: wie passen Noten zu Kompetenzen? Kann ich Kompetenzen tatsächlich benoten? Und wenn ja, wie sieht so ein Bewertungskriterium aus? Ich selbst habe als Mutter noch keins gesehen. Ihr? Vielleicht habt ihr ja Beispiele und Vorschläge. Fertigkeiten und Fähigkeiten sollen aus intrinsischer Motivation erlangt werden. Der Lehrer selbst soll nur noch Lernbegleiter sein. Kompetenzen rufen eine Problemlösungskompetenz hervor und Transferwissen. Es soll also das Lernen lernen begleitet werden. Nun erlebe ich allerdings als Mutter, dass sehr wenige Lehrer diesen Rahmenlehrplan entsprechend umsetzen. Es geht nach wie vor um die Frage „Welcher Stoff wurde vermittelt?“, aber auch Eltern sind hier ein großer Faktor, der die Umsetzung hindert. Als Mama erlebe ich in jeder Elternversammlung das gleiche Phänomen. Eltern regen sich über ausgefallenen Unterricht auf oder darüber, dass die Kinder eigentlich schon viel weiter sein müssten. Dem Lehrer wird es gar nicht erst ermöglicht, kompetenzorientiert zu unterrichten, weil die Eltern Kompetenzen nicht begreifen. Sie stecken alle noch in ihrem alten System, was es für die Kinder in der Schule sehr schwer macht. Ja, auch ich erwische mich oft beim Lernen am Wochenende dabei über die Schulter meiner Kinder zu schauen und mich zu fragen, ob sie nicht eigentlich schon weiter sein müssten. Kompetenzorientiertes Lernen erfordert eigene Motivation der Kinder. Hier ist die Lehrperson stark gefragt, denn in einer Klasse von 20 – 30 Kindern hat jedes andere Interessen. Hier jedes Kind abzuholen, da wo es steht, ist eine große Herausforderung, die ich als Mama von vier Kindern nicht mal bei meinen eigenen Kindern schaffe. Es reicht nicht aus, einen Klassenraum so zu gestalten, dass kompetenzorientiertes Lernen möglich ist, sondern man muss auch den Stoff entsprechend aufbereiten. Es müssen also Themen her, die die Kinder mitnehmen, die sie neugierig machen. Mein Sohn ist mitten in dem ganzen kompetenzorientierten Unterricht und stellt sich sehr unter Druck, da er anders angefangen hat zu lernen in Klasse 1. Jetzt steht für uns der Übergang, das heißt der Wechsel auf eine neue Schule für Klasse 7 an und damit geht der ganze Bewerbungsprozess los.

Ü7 und der alltägliche Wahnsinn

Wenn es heißt Schulwechsel, gehen bei Eltern und Schülern die Alarmglocken. Die derzeitige Schulsituation in unserer Stadt führt zu einem harten Kampf um den Schulplatz. Kinder sammeln Noten, weinen, wenn es keine eins wird und Eltern verlangen Elterngespräche. Die Nachmittage in dieser Zeit verbringen die Lehrer in der Schule und nicht bei ihren Kindern beim Plätzchen backen. Es wird diskutiert und gefordert, denn die Plätze sind rar. Um auf ein Gymnasium hier zu kommen, wird die Notensumme 7 in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch benötigt. Viele Gymnasien wählen allerdings Notensumme 6, denn sie können es sich ja aussuchen. Man hat als Eltern mit seinen Kindern Bewerbungsgespräche und hat bis April im Folgejahr Bauchschmerzen, da die Zusagen erst so spät kommen. Mein Sohn weinte gestern Abend im Bett, weil er große Panik davor hat, seine Wunschschule nicht zu bekommen. Er rennt heute, so wie viele andere Kinder es in den nächsten Wochen tun werden, von Lehrer zu Lehrer und bittet um Zusatzleistungen, um seine Noten aufzubessern. Auch für die Lehrer ist es eine große Herausforderung, jetzt kurz vor Schluss noch Referate unterzubekommen. Ich kenne als Mutter die Lösung des Ganzen nicht, merke aber, dass auch ich jeden Tag mehr Bauchschmerzen bekomme. Ich freue mich, wenn ihr Kommentare mit Vorschlägen hinterlasst.

Eure Kristin