Und die Tränen laufen

Schulstart 2020

Es ist wieder soweit. Ein neues Schuljahr startet und damit endet für viele Kinder ein Stück Kindheit. Jedes Jahr fließen zahlreiche Tränen beim Abschlussfest in der Kita bei Eltern und Erzieherinnen und Erziehern. Zum einen, weil nun endgültig ein Kapitel geschlossen wird, zum anderen, weil ein neues, aufregendes Kapitel startet.

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Ich kann mich bei jedem meiner Kinder an diesen Tag erinnern. Das Abschlussfest in der Kita war für mich persönlich alle viermal eine emotionale Herausforderung. Schon bevor es am Nachmittag losging, hatte ich einen Kloß im Hals und nur allein beim Gedanken daran, flossen bei mir die Tränen. Je älter die Kinder werden, desto stärker wächst in mir das Gefühl, dass ich diese wertvollen Momente in meiner Erinnerung nicht verlieren möchte. Ich möchte sie für immer festhalten.

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Und auch die Einschulung ist einer der emotionalsten Momente in meinem Leben bisher gewesen. Wenn alle auf ihren Plätzen sitzen und dein Kind plötzlich allein an dir vorbeigeht, deine Hand nicht mehr braucht und zur Lehrerin / Lehrer aufschaut, weiß ich: jetzt sind Mama und Papa keine Superhelden mehr. Jetzt sind wir Menschen, die Fehler machen und diese Fehler gesehen werden. Es ist ein Moment, der sehr viel mehr ist als nur eine Schultüte zu überreichen. Meine Kinder haben in diesem Moment ein großes Stück Verantwortung bekommen und ich bin jedes Mal ein wenig älter geworden.

Heute sind die Kinder 14, 12, 10 und 7 und ich schaue mit Stolz auf sie. Doch das Schönste ist, dass ich beruflich diese Momente jedes Jahr erleben darf. Jedes neue Schuljahr sehe ich die Eltern der „Erstis“ vor der Schultür stehen und darauf warten, dass die Kinder noch einmal aus dem Fenster winken. Sie warten darauf, dass sie gebraucht werden und wenn es nur für ein kurzes Augenzwinkern ist.

Wenn ich daran denke, was wir beim Ersten noch alles in die Schultüte gepackt haben, wird mir ganz anders. Die Industrie möchte verkaufen, das ist klar und doch gibt es so viel, was eigentlich gar nicht benötigt wird. Ich finde Dinge gut, von denen man lange etwas hat und die nicht gleich beim nächsten Großputz im blauen Sack verschwinden.

Was auf jeden Fall nicht fehlen darf ist eine Brotbox und eine Trinkflasche. In den meisten Schulen gibt es eine Frühstückspause, in der die Kinder ihr Brot essen, was die Eltern eingepackt haben. Mir ist es wichtig, dass die Kinder ausreichend Essen dabeihaben, für den Fall, dass das Mittag in der Mensa nicht schmeckt. Ich hatte es am Anfang so oft, dass die Kinder mir erzählt haben, dass sie in der Schule noch Hunger hatten, weil sie zu wenig Essen dabeihatten. Seitdem gibt es bei uns eine Brotbox, in der ausreichenden Platz für Obst, Gemüse, Brot oder Zwiebelkuchen ist. Da auch bei uns die Spülmaschine dauerhaft läuft, habe ich immer noch eine Reservebox parat. Schaut doch mal hier: https://amzn.to/2NSAfRI

Im Winter gebe ich zusätzlich gern noch warmes Essen mit. Meistens bleibt vom Vortag noch etwas übrig, was ich morgens in der Mikrowelle warm mache und dann in den Thermobehälter gebe. Das ersetzt oftmals das Mittagessen in der Mensa. Nr 3 isst sowieso sehr viel lieber warm, so dass er diesen Behälter liebt. Auf Grund seines ADHS´s benötigt er viele kleine Mahlzeiten, so dass seine Konzentration bis Schulschluss durchhält. Ich mache das Essen morgens 06:30Uhr warm und mittags 12Uhr ist es immer noch warm. Auf solche Dinge kommt man nicht von Anfang an, umso besser, wenn es bereits ein Geschenk in der Schultüte ist. Es gibt für jeden Geschmack die richtige Größe und auch Besteck ist bei den meisten Produkten dabei. Schaut doch hier mal nach: https://amzn.to/2D54e6E

Alle vier Kinder gehen einem sportlichen Hobby nach, so dass wir in den letzten 15 Jahren mit Sicherheit schon über 200 Trinkflaschen gekauft und verloren haben oder diese kaputt gegangen sind. Am schlimmsten ist es, wenn die Dinger im Ranzen auslaufen. Dann hast du nämlich nicht nur ein Highlight – die ausgelaufene Trinkflasche, sondern gleich zwei – die nass durchtränkten Schulsachen. Glaubt mir, davon habe ich schon zahlreiche erlebt. Auch als Lehrerin geht mir mindestens einmal in der Woche eine Stunde abhanden, auf Grund ausgelaufener Trinkflaschen und damit Tränen und Schulmaterialien trocknen. Ich schwöre seit einem Jahr auf die Air up Flaschen. Kinder trinken erfahrungsgemäß sehr sehr wenig in der Schule. Diese Trinkflaschen sind bisher bei uns noch nicht ausgelaufen und das Beste daran ist, dass sie aus purem Wasser Geschmackswasser ohne Zucker machen. Wie ihr alle wisst, ist Zucker das Schlimmste, was ihr uns Lehrern antun könnt, denn dann lässt schlagartig die Konzentration nach und an Unterrichten ist kaum noch zu denken. Nr 2 trinkt aus dieser ;“ target=“_blank“ rel=“noreferrer noopener“>Flasche am Tag locker drei Liter und auch Nr 1 hat mit seinen 14 Jahren endlich seine Lust am Trinken entdeckt. Die Geschmacksringe gibt es in praktischen ;“ target=“_blank“ rel=“noreferrer noopener“>Nachfüllpacks. Im Bereich Sport kann ich diese Flaschen auch nur empfehlen. Immer wieder erleben wir, dass die Leute zu wenig trinken Wasser schmeckt ihnen nicht und es gibt sogar welche, denen richtig schlecht dabei wird. Diese Flasche hat große Wunder bei ihnen bewirkt. Schaut doch hier mal nach: https://amzn.to/2Z0SBGl

Diese drei Dinge sind aus meiner Sicht absolute Must-Haves in der Schultüte. Leider musste ich viele Jahre Erfahrung sammeln, die von Kind zu Kind dazu geführt haben, die gekauften Dinge zu minimieren und optimieren. Hierzu trägt natürlich auch mein Job eine Menge bei und die damit gesammelten Erfahrungen.

Die Einschulung…dieses Jahr ganz anders… ein Jahr, in dem wir Eltern und auch Pädagogen gefordert sind, diesen Tag trotzdem zum Schönsten werden zu lassen, mit all unseren Möglichkeiten. Ich weiß, dass es nicht einfach ist und doch weiß ich, dass es möglich ist.

Lasst die Tränen laufen – es gehört dazu, denn ein Stück Kindheit nimmt ihren Abschied.

Unser Ausflug in die Area 47

Heute am fünften Tag scheint die Sonne, der Himmel ist blau und die Kinder wollen ans Wasser. Gerade mal eine halbe Stunde vom Pitztal liegt das Ötztal und dort befindet sich die legendäre Area 47. Wir haben heute lediglich die Water Area genutzt. Wer das nötige Kleingeld hat und wem das Adrenalin auf der Kamikaze-Rutsche nicht reicht, der kann unter anderem auch Rafting, Canyoning, Caving, Wakeboarden oder den Hochseilgarten in 30 Meter Höhe besuchen.

In diesem Jahr ist alles ein wenig anders, denn wir befinden uns in einer Zeit der Pandemie. Corona hat uns alle fest im Griff und wir lernen Tag für Tag mehr damit zu leben. Auch die Area 47 musste sich dem Virus unterordnen und konnte somit dieses Jahr erst am 26.06.2020 öffnen. Sofern alles so bleibt, ist die Area 47 bis zum 06.09.2020 täglich in der Zeit von 10:00Uhr – 19:00Uhr und ab 07.09.2020 -04.10.2020 von 10:00Uhr – 18:00Uhr geöffnet. Ich muss sagen, dass ich über den günstigen Preis für uns zwei Erwachsene und fünf Kinder wirklich erstaunt gewesen bin. Wir haben heute für ein Tagesticket 64 Euro bezahlt. Wir haben uns einen Picknickkorb gepackt, so dass wir nichts weiter in der Area47 ausgeben mussten. Für eure individuellen Bedürfnisse schaut doch einfach mal auf die Homepage . Hier findet ihr alle Angebote und Preise. Vor Ort gibt es auch ein Restaurant, dessen Preise relativ normal sind, allerdings für den Hunger einer Großfamilie zu hoch. https://area47.at/water-area/preise-oeffnungszeiten-water-area/

Wir hatten fünf Kinder dabei und allen hat es mehr als gefallen. Wir hatten uns noch nicht einmal einen Platz gesucht, da rief Nr 3 bereits: „Mama, guck mal!“ und sprang vom 5m-Turm. Man muss Wasser und Rutschen mögen, um hier richtig zu sein und Gefallen zu finden. Sehr viel Spaß hatten die Kinder am Blobbing. Hierbei springen sie von einer Plattform auf ein riesen Luftkissen, krabbeln an dessen Rand und warten bis ein nächster von der Plattform auf das Kissen springt, um meterhoch in die Luft geschleudert zu werden. Blobbing ist ab 12 Jahre, was ich gerechtfertigt finde.

Blobbing

Die Großen haben sich dann an die Water Ramp rangetraut. Hier ist mir schon beim Zugucken schwindelig geworden. Zunächst mussten sie über eine Treppe 17 Meter hochlaufen, um dann mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 Km/h runterzurutschen und über eine Rampe ins Wasser zu fallen. Auf Grund des Neigungswinkels gelingt einem eine Flughöhe von bis zu acht Metern. Einer von uns hat das heute tatsächlich geschafft. Doch damit war es noch nicht genug. Als nächstes probierten sie von dort oben den Hydrospeed aus und sausten Kopf voraus in die Tiefe. Hierbei springt man zwar nicht, aber man slidet in atemberaubender Geschwindigkeit unten übers Wasser. Also ich selbst hätte mich das nie im Leben getraut. Die Jungs hatten großen Spaß und am nächsten Tag starken Muskelkater.

Waterramp

Fünf Wasserrutschen runden das Badeerlebnis ab.

Rutschen in traumhafter Kulisse

 Die Freefall-Rutsche hat sich heute keiner getraut, 22Meter und 70 Grad Neigung…Frauen dürfen da nicht runter. 3g wirken auf den Körper, sprich Adrenalin pur.

Unsere Jungs haben großen Gefallen an der 270 Grad Rutsche gefunden und waren nach dem Blobbing dort nicht mehr wegzubekommen. Aber auch die Kamikaze-Rutsche mit unzähligen Kurven und Freefallelementen sorgte für sehr viel Spaß bei den Kids. Unsere Kleine hatte zwei Rutschen zur Auswahl, die sie auch ohne unsere Begleitung rutschen konnte. Für eine Abkühlung für diejenigen, die rutschen nicht mögen, gibt es einen Badeteich, in dem man sich abkühlen kann. Am meisten Spaß hatte Nr 3 an der Rutsche, die ihn mit Wasserdruck ins Wasser schoss. Diese möchte er gern in unserem Garten haben. Hier setzt man sich vorn auf die Rutsche, betätigt zwei Knöpfe rechts und links vom Kopf und wird ins Wasser geschossen.

Der Traum von Nr 3

Wir waren vor drei Jahren schon einmal in der Area47 und da hat es uns nicht gut gefallen, da wir beim Eintritt zwei Stunden anstehen mussten und drin keinen Platz zum Hinlegen oder Hinsetzen gefunden haben. Es war einfach wahnsinnig voll. Alle Attraktionen wie Blobbing oder rutschen konnte man auf Grund langer Wartezeit nicht nutzen. Dieses Jahr war alles anders und viel cooler. Wir haben nicht angestanden und auch in der Area47 gab es keinerlei Wartezeit. Corona hat hier natürlich stark dazu beigetragen. Aber auch, dass in Österreich zur Zeit noch keine Ferien sind und wir mitten in der Woche die Area47 besucht haben. Ab 16Uhr wurde es dann ein wenig voller, da es dann das Sunsetticket gibt. Da wir allerdings bereits seit 10Uhr vor Ort gewesen sind, haben sechs Stunden auch gereicht.

Nr. 3 wird heute Nacht von der Area47 träumen.  Er ist bekanntlich unser Adrenalin-Junkie und ist hier voll und ganz auf seine Kosten gekommen. Er hat sich tausend Mal bedankt, dass wir das heute mit ihnen gemacht haben. Die Großen sind mit Blobbing auch auf ihre Kosten gekommen und rutschen aus 17 Meter Höhe hat ihnen ihre Grenzen gezeigt.

Alles in allem war es ein wunderschöner Urlaubstag, den alle so schnell nicht vergessen werden. Ob die Area47 für dich das Richtige ist, solltest du selbst ausprobieren. Ich bin kein Fan von Wasser und rutschen schon gar nicht, aber allein das Zugucken ist ein Besuch wert. Aber auch die traumhafte Kulisse lädt zum träumen ein.

Zwiebelkuchen

Heute dreht sich unser Blog um das Thema „Ernährung“. Hin und wieder werdet ihr hier Rezepte finden, die wir selbst oft kochen oder backen. Früher und so wird es wohl den meisten von unseren Lesern gehen, haben wir uns doch um das Thema Ernährung keine Gedanken gemacht. Immer wenn Mama und Papa von gesunder Ernährung gesprochen haben, drehten sich unsere Augen in alle Richtungen und wir fanden unsere Eltern einfach nur langweilig und spießig. Heute, wo wir selbst Eltern sind und ja, auch das Alter nach und nach spüren, messen wir diesem Thema sehr viel mehr Bedeutung bei.

Eine große Rolle spielt in einer Großfamilie natürlich das Thema Brot. Gerade Pubertiere können essen ohne zu merken, dass sie satt sind. Dass in puren Weißbrot oder Toast nichts drin ist, was sättigt, ist kein Geheimnis mehr. Doch was kann es als Alternative geben? Jeden Tag nur Brot in der Brotbox wird langweilig und die vollen Dosen landen wieder im Kühlschrank. Also müssen wir kreativ werden. Ein absoluter Renner bei unseren Kids ist unser Zwiebelkuchen. Er ist sättigend und enthält gesunde Zutaten.

Zutaten für den Teig: 1/2 Würfel Hefe, 110ml lauwarme Milch, 200g DinkelVOLLkornmehl, 1TL Salz, 2 EL weiche Butter

Ziemlich praktisch für uns als Großfamilie ist Amazon fresh, denn Zeit ist das, was wir am wenigsten haben. Oft bestelle ich die Sachen von unterwegs. Schaut doch mal hier: https://amzn.to/2NZ3ceC

Zutaten für den Belag: 500g Zwiebeln, 100g Butter, 1EL VOLLkornmehl, 2 Eier, 100g Sahne, 75g geräucherter Speck, 1 Prise Salz

Zubereitung: Als erstes löst du die Hefe in der Milch auf. Das Mehl gibst du in eine Schüssel und die aufgelöste Hefe mit Butter und dem Salz dazu und verarbeitest alles zu einem glatten Teig. Wir benutzen für alle Hefeteige diese Peng Schüssel https://amzn.to/3dVIMxK Wenn der Teig fertig ist, klappt der Deckel auf und es gibt ein „PENG“. So weiß man, dass der Teig fertig ist und verarbeitet werden kann. Nun musst du den Teig abgedeckt 40 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen. Anschließend füllst du den Teig in eine gefettete Springform https://amzn.to/2BEdv5n. Für den Belag schneidest du die Zwiebeln in feine Stücke und dünstest sie in einer Pfanne glasig. Du rührst das Mehl unter und lässt es anschließend abkühlen. Die Eier verquirlst du mit der Sahne. Jetzt gibst du die Zwiebeln, den Speck und das Salz dazu und vermengst alles miteinander und gibst die Zwiebelmasse in die vorbereitete Form und lässt es im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene 30 – 40 Minuten backen.

Den Zwiebelkuchen kannst du bereits am Abend vorher backen, damit er dann am nächsten Morgen in die Brotboxen verschwinden und in der Schule verzehrt werden kann. Wir hoffen, eure Kinder haben daran genauso viel Gefallen wie unsere. Ihr werdet sehen, dass das Hungergefühl erst sehr viel später eintritt, da Vollkornmehr länger sättigt. Einen Unterschied werden eure Kids bei diesem Kuchen nicht merken.

Zwiebelkuchen

Guten Appetit!

Wenn du mehr über das Thema Ernährung erfahren möchtest oder bei unserem 10-Wochen-Programm dabei sein willst, melde dich bei uns. Änderst du nur eine einzige Gewohnheit, kannst du dein ganzes Leben verändern.

Das Lächeln, dass seinen Weg findet

Sommerurlaub im Corona-Jahr 2020

In diesem Jahr ist alles anders. Heute ist der 01.07.2020 und irgendwie kann ich immer noch nicht ganz glauben, was passiert ist. Glücklicherweise geht es nicht nur mir so, sondern weltweit den meisten Menschen. Der Regenbogen steht für die Kinder, die die letzten Wochen auf ihre Freunde und sozialen Kontakte verzichten mussten. Er steht für Hoffnung… Dieser Regenbogen zeigte sich gleich am ersten Abend hier in unserem zweiten zu Hause… Ihr wisst ja – ich glaube an Zeichen.

Ein Zeichen der Hoffnung

Corona – eine unsichtbare Gefahr. Ein Virus, was die Welt seit Anfang 2020 fest im Griff hat. Ein Virus, was wir zu Beginn des Jahres naiver weise abgetan haben. Wir haben nicht daran geglaubt.

Heute, am 01.07.2020 sitzen wir auf der Terrasse des Ferienhauses Sonneck im Pitztal anstatt in der Türkei am Strand. Es kam alles anders als geplant und gebucht. Das Jahr 2020 hat mir mal wieder auf beeindruckende Art und Weise gezeigt, dass einfach nichts im Leben planbar ist. Jegliche Blackbox, die man in seine Planung mit einbezieht, ist umsonst. All die Nerven, die man am Wenn und Aber verliert, sind verschwendet.

Terrasse des Sonneck-Hauses

Leben!

Das ist das Stichwort. Leben, wann immer man die Möglichkeit dazu hat. Träumen und Träume verwirklichen ohne lange zu Warten und die Wenns und Abers zu berechnen. Corona zeigt, dass nichts sicher ist.

Aber zurück zum Ferienhaus Sonneck im Pitztal. Neulich hat mich mein Mann gefragt, wo ich mir etwas kaufen würde: Pitztal oder Zillertal. Meine Antwort ist klar: Pitztal. Wir fahren seit 15 Jahren hierher, oft mehrmals im Jahr. Unsere vier Kinder kennen das Gebiet wie ihre Westentasche. Ich verbinde mit dem Pitztal wahnsinnig viele Erinnerungen, die ich gern festhalten, bei mir behalten möchte. Je älter die Kinder werden, desto stärker wird das Gefühl des Festhalten-wollens.

Dieses Jahr hatten wir, wie jedes Jahr, unseren Sommerurlaub bei der Familie in der Türkei gebucht, mussten aber vier Tage vor Abflug unsere Flüge stornieren, da Deutschland die Türkei als Risikogebiet eingestuft hat. Nach drei Monaten zu Hause zu sechst, intensive Beschäftigung mit mir selbst, musste ich raus. Ich musste etwas Anderes sehen, musste weg. Für mich stand sehr schnell fest, dass ich ins Pitztal möchte. Hier weiß ich, können die Kinder „frei“ sein und ich bekomme Luft zum Atmen. Da wir seit 15 Jahren hierherkommen, kennen wir die Familie Lentsch recht gut und wussten, dass sie unter anderem auch vermieten. In meiner Not schrieb ich sie an und klagte mein Leid. Sofort erhielt ich eine erlösende Antwort: sie haben etwas für uns frei, da Corona auch vor dem Pitztal nicht Halt gemacht hat und sie schließen mussten. Wir durften also die ersten und auch einzigen Gäste im Ferienhaus Sonneck sein. Das letzte Haus in Liss, direkt an der Kinderskischule (im Winter), mitten in der Sonne und in absoluter Stille.

Haus Sonneck

Das Haus Sonneck kennen wir noch als Hotel. Seit 2015 / 2016 ist es ein Selbstversorgerhaus mit allem, was das Herz begehrt. Die Küche ist voll ausgestattet und hat für unsere Großfamilie genau die richtigen Topfgrößen.  Der Herd ist ein Traum und der Geschirrspüler ein Weihnachtswunsch wert. Innerhalb von zwei Minuten hat er das Geschirr gewaschen und getrocknet, so dass eine Versorgung von 39 Personen (soviel kommen in den 19 Zimmern unter) kein Problem darstellt. Ja, ich kann sagen, dass es ein sehr hochwertiges Haus ist. 450m² über 3 Etagen und zwei große Gaststuben bieten ausreichend Platz, damit man in Ruhe sitzen, essen und chillen kann, wobei ich bei diesem Wetter lieber auf der großen Terrasse in der Sonne sitze und die wunderschöne Aussicht genieße. Es existiert eine Schankanlage, an die man sich bei Bedarf ein Bierfass anschließen lassen kann. Kaffeemaschine, Wasserkocher, Toaster – alles ist vorhanden, nichts muss mitgebracht werden. Wer frische Brötchen am Morgen essen möchte, kann direkt gegenüber in der Zirbenbäckerei fündig werden. Auch am Nachmittag kann man hier gemütlich in der Sonne eine Tasse Kaffee trinken und ein Stück Kuchen dazu genießen.

Bar mit Ausschank
Gastraum
Küche
Küche

Die Piste endet direkt hier vor dem Haus. Oftmals haben wir schon die Gäste beneidet, die noch in der Sonne nach einem Pistentag gesessen haben. Vorteilhaft ist, dass man sich direkt im Haus das Wintermaterial für Groß und Klein leihen kann. Sport Lentsch bietet einen großartigen Service, der weit über Dienstleistung hinausgeht. Seit 15 Jahren werden wir mit einem Lächeln herzlich begrüßt, so dass man sich immer wie zu Hause fühlt. Kommt man im Winter von der Piste, kann man direkt in der Apres Ski Bar noch etwas trinken und sich ausruhen bevor man den Tag beendet. Vor dem Haus Sonneck befindet sich ein Spielplatz und eine riesige Wiese, der die Kinderherzen höher schlagen lässt. Während die Erwachsene auf der Terrasse in der Sonne ein Glas Wein oder einen Cappuccino genießen können, rutschen oder schaukeln die Kinder.

Der Sonne entgegen

Tatsächlich scheint es so als ob die Familie Lentsch die Sonne gebucht hat. Egal, ob beim Skiverleih, in der Apres Ski Bar oder in eines ihrer Appartments – die Sonne ist immer dabei. Schaut doch einfach mal auf ihre Seite oder noch besser: setzt euch ins Auto und überzeugt euch selbst. Diese Familie steht für Freundlich- aber vor allem Herzlichkeit.

https://www.pitztal-sonneck.at/de/ausstattung.html

Der Sonne entgegen

Der Hochzeiger ist perfekt für Familien, da die Kinder sich weder verlaufen noch auf Skiern verfahren können. Es gibt nur einen Weg nach unten, so dass man sich im Notfall an den Gondeln wiedertreffen kann. Tatsächlich ist es uns erst einmal in den letzten Jahren passiert, dass wir ein Kind auf der Piste verloren haben. Der Plan ging auf und wir haben es an der Gondel wieder getroffen. Das Liftpersonal ist überaus kinder- und familienfreundlich. Da wir nun seit Geburt unseres ersten Kindes hierherfahren, kennen wir sämtliche Situationen, ob es voll gepackt mit Kinderwagen und Roller oder schwanger und drei Kindern oder Kinder allein – es gab nie eine Situation, in der ich mich allein gelassen gefühlt habe. Stets wurde mir Hilfe angeboten, die ehrlich und mit einem Lächeln verbunden gewesen ist. Im Sommer wie Winter kann man hier zahlreiche Dinge unternehmen. Die Ponys hinter der Tanzalm sind ein Traum für jeden Pferdeliebhaber und es erinnert ein wenig an eine Märchenwelt, wenn man sich ihnen nähert.

Ponys hinter der Tanzalm

Besser als im Haus Sonneck hätten wir es nicht treffen können dieses Jahr. Der Weg zu mir selbst findet hier seinen Abschluss – fürs erste – in der Sonne, auf der Terrasse und mit einem Lächeln im Gesicht. Ein Lächeln, was ich vermisst habe in den letzten drei Monaten. Ein Lächeln, was mir Kraft für neue Ideen gibt. Ein Lächeln, was ich festhalte.

Danke 2020 für diese Hürde. Danke Sport Lentsch für diese wundervolle Möglichkeit, das Lächeln wiederzuerlangen.

Konzentrier dich doch endlich mal!

Am Rande des Nervenzusammenbruchs…mein Homeschooling Namens AD (H) S…

Heute sprichst du mir eine Sprachnachricht und weinst. Du kommst zu Hause kaum klar. Das erste Mal bist du in einer Situation, die dich emotional in deiner Eltern-Kind-Beziehung an deine Grenzen bringt.

Dein Kind hat AD (H) S. Du erlebst es sonst „nur“ am Nachmittag und auch da ist es oft chaotisch und es geht drunter und drüber. An Schule machen ist nicht zu denken. Dein Kind ist fertig vom Tag.

Entweder hat es sich acht Stunden in der Schule so dermaßen angestrengt „normal“ zu sein und nicht aufzufallen oder es hat versucht „zu funktionieren“. Du bekommst das sonst gar nicht so extrem mit, weil es ja in der Schule ist. Jetzt sitzt du zu Hause und bettelst dein Kind an, dass es sich doch bitte konzentrieren soll. Auch du möchtest, dass es funktioniert, weil ihr den Plan schaffen müsst.  Du hast erst vor kurzem die Diagnose bekommen und dich noch gar nicht wirklich damit auseinandergesetzt, was das eigentlich bedeutet.

Lernen, wenn das Kind nicht „funktioniert“

Wie du sicherlich schon oft gelesen hast, arbeiten beide Gehirnhälften unterschiedlich. Diesem Satz hast du bisher wahrscheinlich eher in witzigen Situationen Bedeutung beigemessen. Gerade jetzt in Zeiten des Homeschoolings ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse, die du als Eltern benötigst, um deine Grenzen und die deines Kindes zu wahren und schützen.

Es gibt Menschen, die mathematische Formeln ausrechnen ohne mit der Wimper zu zucken, für andere sind es böhmische Dörfer. Es gibt Kinder, die wahnsinnig schnell auswendig lernen, andere quälen sich unendlich damit – und das obwohl beide im gleichen Unterricht sitzen und das gleiche Wissen vermittelt bekommen.

Wir wurden damals so beschult, dass hauptsächlich unsere linke Hirnhälfte beansprucht wurde, egal, ob sie bei uns gut ausgebildet gewesen ist oder nicht. Viele Eltern und auch Lehrer gehen heute mit denselben Methoden vor. Eltern, weil sie es so gelernt haben, Lehrer, weil sie es für gut befinden. Jeder nach bestem Wissen und Gewissen.

Für euch zu Hause ist es jetzt von Vorteil, wenn ihr Arbeitstechniken findet, die beide Gehirnhälften beanspruchen, um Stress zu vermeiden. Hier kann ich auf jeden Fall z.B. die ABC-Listen von Vera F. Birkenbihl empfehlen. Wenn Interesse besteht, kann ich gern hierzu auch nochmal etwas schreiben.

Deine Gehirnhälften

Deine rechte Gehirnhälfte ist für die visuelle Wahrnehmung  und auch Kreativität zuständig. Hier kommen auch unsere Emotionen zum Vorschein. Mit der rechten Gehirnhälfte lässt du deiner Fantasie freien Lauf, du gibst Tagträumen eine Chance und malst die Bilder in deinem Kopf farbig aus.

Deine linke Gehirnhälfte ist für die puren Fakten zuständig. Hier finden Zahlen, Fakten, Bedienungsanleitungen und Daten ihren Platz. Sie arbeitet nicht emotional, sondern logisch. Alles, was du lernst, wird hier gespeichert, so auch Auto- und Fahrradfahren. Besonders wichtig ist diese Erkenntnis für dich als Homeschooling-Eltern zu Hause. Auch das Lesen ist hier angesiedelt.

Welche Gehirnhälfte bei kleinen Kindern vor Schuleintritt ausgeprägt ist, muss ich nicht näher beschreiben. Mit Zahlen und Fakten können die Kleinen noch nicht viel anfangen. Hier spielen Farben und Fantasie eine dominierende Rolle. Erst mit Schuleintritt verliert die rechte Hälfte ihre Dominanz.

Deshalb nutzt die jetzige Zeit, um ihr wieder Aktivität zu verschaffen. Erwachsene, die in ihrer Kindheit keine Möglichkeit hatten, der rechten Gehirnhälfte Kraft zu geben, hat später eine Unterentwicklung der rechten Gehirnhälfte zu verzeichnen.

Gedächtnis

Auch ist es wichtig, einiges über das Gedächtnis deines Kindes zu wissen, um mit Diagnosen umgehen zu können und die Zeit jetzt zu Hause gut zu meistern.

Ich könnte jetzt eine wissenschaftliche Abhandlung darüber schreiben. Dann hätte ich allerdings das Problem, dass du nicht weiterliest. Das möchte ich nicht. Ich möchte, dass du dein Kind verstehst.

Du hast mit Sicherheit schon einmal etwas vom Arbeitsspeicher gehört. So haben wir auch ein Arbeitsgedächtnis. Man sagt, dass das Arbeitsgedächtnis nur 7 Informationen speichern kann. Dessen solltest du dir bewusst werden. Eine Information kann ein Gedicht, aber auch einfach eine einzige Zahl sein oder ein Auftrag wie „Geh Hände waschen“. Oftmals ist das der Auslöser für Streitigkeiten und den Gedanken „warum funktioniert es nicht?!“. Gerade bei Kindern mit AD (H) S ist das ein Wissen, was du im Alltag benötigst, um nicht zu verzweifeln. Wenn wir etwas willentlich machen, also zB Hände waschen gehen, strengt das an und erfordert maximale Konzentration. Vor allem fordert es Konzentration, wenn es nicht automatisiert ist und den Arbeitsspeicher immer wieder fordert. Gibst du deinem Kind also mehrere Aufträge gleichzeitig, geht der erste verloren, dann der Zweite usw. Erinnere dich wieviel maximal gespeichert bleiben! 7 !

Ein gutes Beispiel hier ist das Lernen des Autofahrens. Hier müssen viele Abläufe gleichzeitig passieren, ansonsten kannst du nicht losfahren oder anhalten. Es muss eine Automatisierung stattfinden, damit der Arbeitsspeicher nicht heiß läuft und aussetzt. So ist es auch beim Lernen der Malfolgen. Sie müssen automatisiert werden, damit Platz für weitere Informationen sind, sonst scheitert das Kind immer wieder an der weiterführenden Mathematik, da der Arbeitsspeicher für neue Aufgaben keinen Platz hat. Er ist überlastet mit der Malfolge.

Es ist wichtig, dass Lernen zu unterteilen. Fange an, genau das zu verstehen, um deinem Kind zu helfen! Es wird euch beiden nicht helfen, wenn ihr im Stoff zu Hause weitermacht und der Arbeitsspeicher deines Kindes explodiert, weil die Unterthemen noch nicht automatisiert sind. Nimm dir genau JETZT hierfür Zeit! Beispiele für Automatisieren sind das Silben lesen und klatschen, Buchstaben erkennen, lernen von unregelmäßigen Verben in englisch und natürlich das kleine Einmaleins.

Auch Schwimmen und Fahrradfahren ist ein Automatisierungsprozess. Kannst du dich an den Satz erinnern: „Fahrradfahren und Schwimmen verlernst du nie wieder.“ ? Genau das ist Automatisierung.

Konzentrier dich doch endlich mal

Sei ehrlich, wie oft hast du diesen Satz schon gesagt? Also ich seeeeehr oft und ja, nachdem ich meine Ausbildung zur AD (H) S-Trainerin absolviert haben, ging er mir durch Mark und Knochen. Ich hätte am liebsten die Zeit zurück gedreht.

Hast du dir mal die Frage gestellt, was du unter Konzentration verstehst? Welches Verhalten erwartest du in dem Moment, wo du diese Aufforderung aussprichst?

Für mich bedeutet es, sich nicht von anderen Dingen ablenken lasse, voll und ganz vertieft in die Sache. So! Und nun betrachte dich mal! Denke an die letzten Tage oder an Arbeitssituationen. Bist du ganz bei der Sache? Also ich sitze am Esstisch und denke an die Wäsche, die ich noch aufhängen muss. Ich sitze in der letzten Schulstunde und denke daran, dass alle meine Kinder hoffentlich pünktlich am Auto sind. Ich schreibe diesen Text und denke daran, dass ich nicht vergessen darf, die Eltern meiner Schüler anzurufen. Tja, so voll und ganz bei der Sache sind wir Erwachsenen wohl auch nicht oder steht es bei dir anders? Wir eilen in Gedanken unserer Zeit voraus.

Und wie sage ich so oft? Kinder lernen durch soziales Lernen. Sie kopieren uns, sie beobachten uns. Sie sehen, dass wir schnell unsere Nachrichten checken während wir den Tisch decken, die Butter aus dem Kühlschrank holen und die Kinder ans Zähne putzen erinnern. Ist es bei dir anders?

Wie soll also dein Kind wissen, was „Konzentration“ bedeutet? Es hat dich noch nie wirklich konzentriert, also bei einer Sache verweilen, gesehen. Nutze deine Zeit des Homeschoolings deinem Kind genau das beizubringen. Konzentration kann entwickelt und erlernt werden. Setze dich hin, nimm dir ein Buch und vertiefe in diesem Buch, so sehr, dass du aufschreckst, wenn dein Kind dich anspricht. Das ist Konzentration! Das ist es, was du jetzt beibringen kannst!

Ich freue mich, wenn ich euch einen kleinen Einblick geben konnte. Im nächsten Blog wird es um das Thema Lernen gehen. Ich freue mich auf euch.

Eure Kristin

Um jeden Preis

Um jeden Preis…

Und da sitzen wir Eltern, den Druck im Nacken und geben ihn weiter. Täglich werden neue Listen mit Arbeit in den unterschiedlichsten Portalen hochgeladen und manch einer sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Wir alle nehmen zur Zeit am größten Sozialexperiment aller Zeiten teil, ob wir wollen oder nicht. Hier gab es diesmal kein Häkchen, wo wir unsere Zustimmung geben konnten.

Von heute auf morgen müssen sich Familien neu organisieren. Familien stehen auf dem Prüfstand. Jeder von uns übt momentan mehrere Jobs gleichzeitig aus. Seid euch alle dessen bewusst! Ich habe heute wieder zahlreiche Emails bekommen, in denen Eltern bundesweit mir ihre Verzweiflung mitteilen. Sie denken, dass sie die einzigen aus der Klasse sind, die das Pensum nicht schaffen.

Ich sage euch: NEIN! Und HALT STOP! Niemand muss dieses Pensum schaffen. Es wird nicht erwartet. Wir Lehrer haben einen Job und den führen auch wir momentan auf eine ganz neue Art und Weise aus. Es ist für uns unbekannt, nicht in die Lernsituation eurer Kinder eingreifen zu können. Unser Job ist es, zu unterrichten und zu steuern. Wenn wir sehen, dass es in die falsche Richtung geht, greifen wir ein. DAS können wir momentan nicht aus der Ferne. Wir sind auf euch angewiesen. Auch in der Schule schaffen nicht alle Kinder das gleiche Pensum. DAS ist unser Job. In den 90 Minuten passen wir fortwährend an, individuell. Ich kenne niemanden, der vorn steht und von allen das Gleiche verlangt. Wir geben uns zufrieden, wenn Aufgaben nicht geschafft werden. Auch bei uns laufen Stunden nicht gut. Auch wir haben Stunden, aus denen wir rausgehen und denken: Mist, morgen nochmal von vorn. Das war nichts.

Ihr seid Eltern! Und Eltern sollten keine Lehrer sein. Macht euch diesen Satz bewusst! Wir geben euch Material an die Hand, damit eure Kinder zu Hause lernen können. Wir geben euch kein Material, damit ihr zu Hause unter Druck seid, alles schaffen zu müssen. Wir sind uns bewusst darüber, dass wir nicht, wenn alles vorbei ist, so tun können als wäre nichts passiert.

Der Stress zieht sich grad durch alle Häuser. Das seht ihr an den Rückmeldungen in den sozialen Netzwerken. Egal in welcher Konstellation Familien zusammenleben, es ist eine nie da gewesene Herausforderung!

Schule hat vorher auch schon für Stress gesorgt, nur dass es größtenteils in der Schule ausgetragen und verarbeitet wurde. Jetzt finden wir diesen Stress in unseren eigenen vier Wänden – unserem zu Hause.

Gerade jetzt liebe Eltern, ist es so enorm wichtig, dass ihr auf eure Grenzen achtet. Zieht Grenzen in dem Stoff, der euch gegeben wird. Selbstständiges Arbeiten ist eine Kompetenz, die über Jahre geübt werden muss. Das funktioniert nicht über Nacht und nur weil Corona plötzlich da ist. Schaut euch auf Arbeit um. Auch viele Erwachsene haben enorme Herausforderungen mit dem selbstständigen Arbeiten.

Ja, ich als Mutter sehe in dieser Zeit mehr als deutlich, dass Schule mehr ist… Meine Intension damals Lehrerin zu werden, war eine Gemeinschaft zu fördern. Eine Gemeinschaft aus Eltern, Lehrern, Schülern und Experten, denn das ist Schule. Weder der eine noch der andere kann das allein meistern und bewältigen. Ich bekomme zahlreiche Nachrichten, in denen Eltern aus allen Bundesländern mir schildern, dass sie jetzt endlich verstehen, woran es bei ihrem Kind scheitert. Ja, das ist doch etwas Positives, denn hieraus entsteht eine Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern – Verständnis füreinander! Ich bekomme Emails aus allen Bundesländern, dass die Kinder doch keine Inselbegabung haben, sondern einfach nur selbstständig lernen können. Ja, auch das ist doch etwas Positives!

Auch ich bin als Mutter von vier Kindern teilweise überfordert von all den Materialien, Apps und Links, aber auch hier bitte ich euch ein wenig um Verständnis. Wir waren nicht vorbereitet auf diese Situation. Unser Bildungssystem ist dafür nicht ausgebildet. Wir sitzen jetzt zu Hause, weg von unseren Schülern, unser Hauptarbeitsmittel, mit Dienstpflichten im Nacken, mit Erwartungen auf der Brust. „Das ist dein Job meine Liebe“, schrieb mir heute eine Mutter… Ja, das stimmt und wir alle versuchen unseren Job bestmöglich auszuführen, jeder nach seinen Möglichkeiten.

In der ersten Woche habe ich dieselben Fehler gemacht. Erstmal viel Material zur Verfügung gestellt, um meine Arbeit zu machen, um Erwartungen zu erfüllen. Ich habe mehr als 12 Stunden am Tag gearbeitet, um mich möglichst schnell digital weiterzubilden. Dabei habe ich ganz vergessen, dass die Eltern meiner Schüler gar nicht die Zeit dazu haben, sich ebenso schnell weiterzubilden. Ich habe sie also nicht da abgeholt, wo sich einige befinden, denn auch bei den Eltern gibt es erhebliche Unterschiede in der Medienkompetenz.

Ja, es gibt Familien, die können das bewältigen und ja, es gibt auch Kinder, die genau das brauchen und auch ihnen müssen wir gerecht werden. Es gibt aber auch Elternhäuser, wo beide Elternteile in systemkritischen Berufen arbeiten und die Kinder in der Notbetreuung sind. Diese Eltern haben am Nachmittag gar nicht mehr die psychischen Ressourcen, um Unterricht zu vermitteln.

Es gibt Familien, die weit unter der Mindestgrenze leben. Familien, die die technischen Möglichkeiten nicht besitzen. Familien, in denen sieben und mehr Geschwister auf 60 qm leben und es keinen Ort des Rückzugs gibt. Familien, die sich wenig um ihre Kinder kümmern. Familien mit erheblichen Sprachbarrieren. Familien, die Schule nie einer Bedeutung beigemessen haben. Familien, die vor 30 Jahren das letzte Mal in der Schule gewesen sind und vom „Imperativ“ noch nie etwas gehört haben.

All diese Kinder können wir im wahren Unterricht abholen, den Stoff der Situation anpassen. Das fällt jetzt weg.

„Warum macht ihr denn keinen Online-Unterricht“ wurde ich heute gefragt. Unterricht muss JEDEM zugänglich sein. Um Online Unterricht zu machen, müsste JEDER die technischen Voraussetzungen haben. Um Online Unterricht zu machen, müssten alle eine entsprechende Medienkompetenz haben….all das wurde bisher verpasst in unserem Bildungssystem und genau deshalb können wir Online Unterricht nicht verpflichtend anbieten, sondern nur als Möglichkeit.

Heute lese ich in der Zeitung, dass Eltern in MV verzweifelt sind und sagen, dass die Hälfte das nicht packen wird. Sozialer Sprengstoff wird es genannt. Und noch einmal: bitte liebe Eltern, setzt euch nicht unter Druck! Keiner kann so tun als wenn nichts gewesen wäre.

Unser Satz „Wir müssen die Kinder da abholen, wo sie stehen“ wird mehr denn je Bedeutung haben, wenn wir wieder zum Normalbetrieb übergehen! Darüber sind wir uns alle einig.

„Ich sitze mit meiner Tochter von 08:30Uhr – 18:30Uhr, um das alles zu schaffen, weil ich das Gefühl habe, ich bin die einzige Mutter, die das nicht auf die Reihe bekommt. Ich möchte so gern Märchen mit meiner Tochter gucken.“ Dann tu das bitte! Märchen gucken ist auch lernen, wenn ihr darüber sprecht und euch über die Handlung unterhaltet. Märchen ist sogar ein eigenes Thema im Deutschunterricht. Also guck bitte Märchen anstatt über Englisch zu sitzen – eine Sprache, die du nie gelernt hast und damit deinem Kind auch gar nicht richtig beibringen kannst. Mach, das was du kannst, denn das machst du gut! Bei allem anderen leidet eure Eltern-Kind-Beziehung und das ist in der jetzigen Situation das Letzte, was ihr gebrauchen könnt.

Wir haben als Familien eine nie dagewesene Situation zusammen zu bewältigen und das Fördern sozialer Kompetenzen ist jetzt wichtiger denn je, denn eure Kinder werden sich an genau diese Kompetenzen erinnern, wenn sie eine Krise allein meistern müssen. Das ist es, was ihr ihnen jetzt beibringen könnt!

Ich kenne keinen Kollegen, der zur Zeit die Sonne genießt. Alle meine Kollegen arbeiten unter Hochdruck, um alles so normal wie möglich zu halten, damit das Lernen  für ALLE weiter stattfinden kann. Wir tauschen uns aus, nicht nur untereinander im Kollegium, sondern bundesweit. Ich stand noch nie mit so vielen Lehrer wie jetzt in Kontakt, denn jedes Bundesland handhabt es anders. Wir gucken Webinare, YouTube Tutorials und machen live.Schaltungen, um zusammen ein Erklärvideo zu drehen. Wir machen bis in die Nacht Videokonferenzen, um die verschiedenen Tools auszuprobieren und das optimalste für die eigene Klasse zu finden. Wir beantragen füreinander Lizenzen bei zahlreichen Lernplattformen und tauschen diese aus. Wir testen bis spät in die Nacht unterschiedliche Plattformen und tauschen uns anschließend aus, um die optimalste für die eigene Klasse zu finden. Nein, wir sitzen nicht in der Sonne!

Ja, in jedem Schlechten steckt etwas Gutes. Die Digitalisierung hat innerhalb von 11 Tagen einen enormen Fortschritt gemacht. In meinen Augen einen so gewaltigen Fortschritt wie ich ihn ohne Corona in den nächsten 10 Jahren für mich nicht erreicht hätte. Das ist der beste Praxistest, den wir als Schule und Eltern haben können, denn dieses Wissen hätten wir im Unterricht niemals an den Mann bringen und umsetzen können. Niemals hätte ich mit meinen Schülern soviel ausprobieren können. Für mich als Lehrerin hat es einen enormen Mehrwert bis jetzt gebracht. Ich fühle mich sehr verbunden mit den Eltern meiner Schüler, denn es zeigt auf beeindruckende Art und Weise wie Zusammenarbeit funktioniert.

Also liebe Eltern, lernt, aber arbeitet nicht ab. Macht, das was ihr könnt, denn das werdet ihr gut machen!

Ja, ich werde sentimental, wenn ich darüber nachdenke, denn genau das war meine Intension als ich Lehrerin wurde…

Schule ist soviel mehr…um jeden Preis….

Eure Kristin

Vier Kinder und ein Mann

Vier Kinder und ein Mann

Während ich diese Zeilen schreibe, telefoniert Nummer 4 mit der Oma. Es ist 18:43Uhr und sie liest ihr per Videotelefonie eine Gute Nacht Geschichte vor.

Nr 3 soll eigentlich duschen, hängt aber am Fenster und brüllt Nr 2, der noch im Garten spielt, lauthals zu. Zum Glück darf man sich nur eingeschränkt bewegen, sonst würden hier wahrscheinlich gleich zahlreiche Nachbarn vor der Tür stehen und sich über das Gebrüll beschweren.

Shut down in Deutschland, na ja zumindest in der Stadt, in der wir leben. Die Kinder sind seit elf Tagen zu Hause und wir sind Eltern, Lehrer und Arbeitnehmer in einem. Unser Zu Hause ist momentan ein Multifunktionsgebäude so wie wir Eltern….Multifunktionseltern.

In jedem meiner Räume befinden sich Menschen. An Rückzug ist nicht zu denken. In meinem Schlafzimmer turnt der Mann und die Kinder. In meinem Wohnzimmer ist unser Online Fitnessstudio aufgebaut. The show must go on… Wie bei uns allen. Und genau diesen Punkt sollten wir alle nicht vergessen. Jeder von uns hat die gleichen Herausforderungen zu meistern.

Nein, Eltern sollten keine Lehrer sein und ja, ich liebe die Lehrer meiner Kinder. Sie leisten täglich Großartiges, denn sie haben nicht nur meine Kinder zu beschulen, sondern teilweise bis zu 30 Schüler gleichzeitig mit unterschiedlichen Herausforderungen. Tatsächlich scheitere ich…

Während ich morgens motiviert aufstehe, es heute zu schaffen, hüpft Nr 4 schon fröhlich durchs Wohnzimmer und ihr Zimmer sieht aus als ob sie die Nacht durchgebastelt hätte. An Schule nach dem Frühstück ist in diesem Chaos nicht zu denken.  Es heißt also nach dem Abräumen, Staubsaugen erst einmal aufräumen.

Währenddessen hüpft Nr 3 durchs Haus als würde er dauerhaft Stromschläge erhalten und weiß gar nicht wohin mit seinem Bewegungsdrang. ADHS ist solch einer Extremsituation bringt mich an meine psychischen Grenzen. Jetzt heißt es Schule machen. Auch an diesem Tag finden wir erst einmal eine halbe Stunde nicht das Deutschheft. Er weiß nicht mehr, wo er es hingelegt hat. Als wir es gefunden haben, beginnt die Diskussion über Sinn und Unsinn der Aufgaben und nachdem wir auf den Stand gekommen sind,  es nun doch zu erledigen, fängt er an pausenlos zu gähnen. Die Konzentration ist im Eimer und meine Nerven liegen gleich daneben.

Nr 2 sitzt in seinem Zimmer und schimpft über die Struktur, weiß nicht wo er anfangen soll und welche Blätter zusammen gehören. Also schicke ich Nr 3 raus aufs Trampolin und sortiere mit Nr 2 die Materialien.

Nr 1 ist mitten in der Pubertät und findet Familie kacke. Das bei staatlich verordnetem Hausarrest ist natürlich neben einem hüpfenden ADHS Kind ein Highlight.

Wir tragen Kämpfe aus, die ich so gar nicht gewohnt bin, denn all diese Emotionen fangen sonst die Lehrer und auch Mitschüler meiner Kinder ab. Jetzt muss ich da durch, gleich viermal und ehrlich gesagt, fehlen mir dafür absolut die Nerven.

Die Mittagsversorgung muss auch laufen. Ideen gibt es viele, Wünsche auch und Zeit eigentlich keine, denn auch ich muss ja arbeiten. Also wird schnell gekocht, einfache Gerichte, die lange Gesichter an den Tisch zaubern, was meine Laune weiter in den Keller treibt. Oh ja, es ist ein absolutes Highlight dieses Home Schooling.

Ich möchte die Aufgaben für Nr 2 ausdrucken. Das Arbeitszimmer ist besetzt. Da sitzt der Mann und hat Telefonkonferenz. Ist wichtig. Drucken geht jetzt mal gar nicht. Also Gemecker von Nr 2. Das Gemecker richtet sich natürlich an mich. Aushalten, einatmen. Ja, es ist ein Highlight dieses Home Schooling…

Nr 3 konnte ich nun endlich überzeugen, den Tagesplan von gestern anzufangen. Selbstständig arbeiten Fehlanzeige. Als ich in sein Zimmer gucke, macht er einen Kopfstand auf seinem Bett und filmt sich dabei… Ich atme ein. Ich atme tief ein… Aber ich weiß, auch das wird bald nicht mehr helfen. Wir versuchen es noch einmal. Ich gehe wieder gucken und er sitzt am Schreibtisch und hat seinen kompletten Inhalt der Federtasche auseinandergebaut. Aufgabenerledigung? Fehlanzeige.

Nr 4 sitzt vor dem Handy. Ich habe mir die Oma zur Hilfe rangeholt. Sie erledigt mit ihr per Videotelefonie die Aufgaben, damit ich Zeit habe, neben Nr 3 sitzen zu bleiben, denn ohne funktioniert es einfach nicht. Während ich neben ihm sitze, bearbeite ich die zahlreichen Schüler- und Elternanfragen und tausche mich mit den Kollegen aus. Immer wieder bin ich abgelenkt, weil Nr 3 die Aufgaben nicht richtig liest und meine Übersetzung benötigt. Auch muss ich ihn immer wieder daran erinnern, warum er eigentlich an diesem Schreibtisch sitzt. Ja, es ist ein Highlight dieses Home Schooling…

So, ich muss jetzt hier die Zeilen beenden, da es über mir poltert und ich vermute, dass Nr 3 vom Kopfstand in den Handstand übergegangen ist.

Vier Kinder und ein Mann…

Bis bald

Eure Kristin

Freitag, der 13.

Freitag, der 13….

Ich stehe vor der Klasse und sage, dass heute natürlich ein Glückstag ist…welch Ironie…denke ich mir heute acht Tage später.

Ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht. Ich bin in einer, für mich, sicheren Welt groß geworden. Geborgen und sicher. Ich hatte ein stabiles Elternhaus mit viel Liebe und Wärme. Ich wurde beschützt und hatte nie das Gefühl, dass mir etwas passieren könnte….

Und dann ist es plötzlich da…

Ich bin erwachsen, habe einen Job, der eine Berufung ist, vier Kinder, ein Haus und ein Unternehmen, was aus Liebe gewachsen ist… Alles läuft…mal besser, mal schlechter, aber es läuft…

Und dann ist es plötzlich da…

Ein Virus…ich habe es in den Nachrichten gehört, aber es ist weit weg. In China irgendwo. Wuhan…eine Stadt, die ich zuvor noch nie gehört habe… Ja, es ist schlimm, aber es ist weit weg…und mein Leben geht weiter…

Und dann ist es plötzlich da…

In Italien…ziemlich nah…und doch noch ziemlich weit weg…Wie naiv denke ich mir während ich diese Zeilen schreibe… Ja, wir sind sogar noch Snowboardfahren gewesen…wie naiv denke ich mir jetzt…

Und dann ist es plötzlich da…

Österreich, Deutschland und soviele andere Länder. Über Nacht, von heute auf morgen…Meine kleine heile Welt zerfällt…

Freitag, der 13. …ich sage meinen Schülern, dass sie bitte all ihre Materialien mit nach Hause nehmen sollen für den Fall, dass die Schulen geschlossen werden. Nein, ich glaube noch nicht dran…wie naiv, denke ich mir jetzt.

Keine 24 Stunden später wird es beschlossen. Auf diesen Beschluss folgen zahlreiche weitere Beschlüsse. Ich komme kaum nach sie zu ordnen, für mich emotional zu sortieren.

In Sekunden musste ich, wie auch alle anderen Kollegen deutschlandweit, handeln. Wir mussten unserem Job eine Grundlage geben. Tausende Arbeitsblätter wurden innerhalb von zwei Tagen ausgetauscht. Zahlreiche Plattformen haben kostenfreie Zugänge für Lehrer und Schüler geschaffen, die man beantragt hat. Hauptsache etwas tun. Ich habe mich eingelesen, durchgelesen, angelesen. Ich habe ausprobiert. Meine Kinder mussten herhalten, mitspielen, mitprobieren, urteilen, Meinung abgeben.

Ich habe innerhalb von vier Tagen digitalisiert. Es war in diesen Tagen mein Job. Ja, MEIN Job. Die Eltern der Schüler haben einen anderen Job. Das wird mir immer klarer. Sie haben gar nicht die Zeit, sich so schnell neben erziehen, Home Schooling, Home Office, kochen, Wäsche waschen, Streit schlichten, Bewegung schaffen, in die Digitalisierung einzuarbeiten. DAS kann KEINER leisten!

Viele ringen um ihre Existenz, wissen nicht wie es weiter geht, wie sie ihre Miete bezahlen sollen, ob ihr Job erhalten bleibt, Ehen stehen vor extremen Prüfungen. 24 Stunden in vier Wänden zusammen, arbeiten, leben, beschulen…alles zusammen…kaum eine Möglichkeit sich zurückzuziehen. In jedem meiner Räume befinden sich Menschen. Ich bin das nicht gewohnt. Ich bin es auch nicht gewohnt mich unter solch extremen Bedingungen mit meinen Kindern auseinanderzusetzen. Für einen Vierzehnjährigen ist die soziale Isolation Vereinsamung und Folter zugleich. Ein Alter, in dem Familie doof ist. Er muss uns 24 Stunden ertragen. Ein Kind mit ADHS…extremer Bewegungsdrang…kann dem nicht nachgehen. Ich bekomme kaum Luft zum Atmen, weil ich diesen vielen verschiedenen Bedürfnissen nicht gewachsen bin. Ich weiß, dass ich Lehrerin bin. Aber hier sind es meine eigenen Kinder. Ich bin emotional viel zu nah dran. Beschulung während ich meine eigene Klasse beschule…ein Kraftakt…Aushalten der sich schnell wechselnden Launen…ein Kraftakt…

Ja, es kann eine Chance für die Selbstständigkeit sein…leider haben wir das viel zu lange vernachlässigt. Hier zeigt sich jetzt, welche Kinder entsprechend unterrichtet wurden und welche jetzt in der Luft hängen. Eltern haben kaum Zeit Wochenpläne abzuarbeiten, kommen in Beziehungskonflikte mit ihren Kindern und müssen gleichzeitig Telefonkonferenzen führen und digitalisieren…

Jetzt heißt es, entschleunigen…den Druck rausnehmen, durchatmen…eine Chance wahrnehmen und entdecken. Als Mutter von vier Kinder ist das Abarbeiten der Wochenpläne nicht möglich. Ich kann es nicht. Ich schaffe es nicht. Das heißt nicht, dass sie nichts machen müssen. Nein, sie haben ihre Zeiten. Zeiten, in denen sie Stoff wiederholen. Zeit, die wir nutzen, um das zu festigen, wofür bisher keine Zeit blieb, weil jede Stunde ein neues Thema, ein neuer Buchstabe hinzukam.

Heute waren wir im Park und haben mit Steinen Weitwurf gemacht. Dabei erklärte uns Nr 1 das Gesetz von Newton. Wir haben einen Maulwurf gesehen. Ich habe noch nie einen Maulwurf gesehen! Wir haben Bucheckern gesehen und gleichzeitig das Blatt einer Buche bestaunt. Wir haben ein Bild unserer Stadt von einem Ort gesehen, zu dem wir ohne diese Krise nie gegangen wären. Wir haben Google Maps zusammen genutzt, um uns zu orientieren und von oben auf Potsdam geschaut und viele Gebäude namentlich benannt. Ich habe meinen Kindern meine Uni gezeigt und sie haben das erste Mal gefragt, was ich eigentlich nach dem Studium gemacht habe. Wie paradox…Ich habe genau das durchgespielt, was heute hier und jetzt gerade passiert…

Ich habe mit meiner Tante per Videotelefonie gesprochen, spreche täglich mit meinen Eltern per Videotelefonie…Bis vor ein paar Tagen habe ich deren Klingeln oft mit Absicht überhört, weil ich zu tun hatte…

Aushalten…durchhalten…erhalten…Jeden Tag wache ich auf und hoffe, dass ich im Live Ticker lesen kann, dass alles vorbei und alles wie vorher ist…Bis heute…Es steckt in allem auch immer eine Chance. Wir sehen, was wirklich wichtig ist. Egal, was passiert, die Welt wird sich weiterdrehen. Unser aller Hamsterrad wurde gestoppt. Von jetzt auf gleich. Wir müssen uns sortieren, können nicht mehr so weiter machen wie bisher…Familie ist ein wertvolles Gut…das wird mir immer klarer. Familie ist eine große Herausforderung…das wird mir immer klarer. Familie ist Halt…das wird mir immer klarer.

Es ist nicht die Zeit für das Abarbeiten von Wochenplänen. Es ist Zeit, soziale Verantwortung zu übernehmen. Es ist Zeit, lernen zu verändern. Es ist Zeit denken zu verändern…bei Lehrer, Eltern und Schülern…

Freitag der 13. …ein Tag, der Veränderung.

Freitag der 13. …ein Tag, der Chancen.

Freitag der 13. …ein Tag, der uns verändert, wenn wir es zulassen…

Was Noten nicht sagen

Ich bin Mama von vier Schulkindern und Lehrerin und lebe in zwei Welten, die sich miteinander bedingen und ohneeinander nicht existieren könnten. Als Mutter erlebe ich täglich wieviel meine eigenen Kinder den ganzen Tag leisten und wie wenig Möglichkeiten sie haben, auszubrechen. Nr 3 ist ein Ausbrecher und ich habe, leider, lange versucht ihn zu brechen und mit Macht in das System zu zwängen…beide sind wir daran zerbrochen. Ich bin heute sehr froh, dass er so sehr viel stärker gewesen ist, auch mit seinen kleinen 7 Jahren, als ich. Ich bin froh, dass ich ihn habe und er mich jeden Tag lernen lässt. Er hat mir gezeigt, dass genau Menschen wie er, zu Veränderungen beitragen. Er zeigt täglich, dass es keine starren Strukturen und Bewertungsmaßstäbe braucht, um zu sehen, was jemand kann. Für meine Berufung als Lehrerin habe ich damit einen unheimlichen Vorteil. Ich sehe jeden Tag wie wichtig es ist, dem Tag und dem Kind eine neue Chance zu geben und das Gestern sein zu lassen. Ich lerne, dass ein ganzheitlicher Blick das Wichtigste in diesem Beruf ist und dass eine Note lange nicht das zeigt, was in den Kindern steckt. Ich habe mit Nr 3 versucht die Bundesländer zu lernen und ihn gefragt, welches Bundesland über Brandenburg liegt. Er wusste es nicht und ich bin böse geworden, weil er es lernen sollte. Daraufhin sagte er, dass er die Bundesländer anhand der Größe erkennt, aber nicht aus dem Kopf sagen kann, wo welches Land liegt. Das hat mir wieder einmal gezeigt, dass es viele Wege des Lernens gibt.

Systeme sind veränderbar

Es gibt Kinder, die in unserem System 8 Stunden lernen und am Nachmittag in einem komplett anderem System leben, was den Vormittag für sie sehr schwer macht. Ein Stempel unsererseits hilft ihnen wenig und macht das Überleben schwer. Systeme lassen sich verändern und sind nicht starr. Das zeigt die Vergangenheit. Systeme haben Lücken, die man nutzen kann. Kinder brauchen jeden Tag Wertschätzung so wie wir Erwachsenen im Berufsleben auch. Die meisten Burn Outs haben mit fehlender Wertschätzung zu tun. Schulängste werden immer mehr. Oft stelle ich mir vor wie ich mich auf der alten Arbeit gefühlt habe als ich mich morgens ins Auto gesetzt habe. Ich hatte Magenschmerzen und mit jedem Meter, den ich näher an das Gebäude kam, ging es mir schlechter. Genauso sehe ich es bei Kindern, die Schulängste entwickeln. Im Gegensatz zu ihnen, können wir reflektieren und formulieren woran unser schlechtes Gefühl liegt. Sie spüren nur, dass es ihnen nicht gut geht und äußern es durch auffälliges Verhalten. Ja, es bedeutet Arbeit jedes Kind mit genau diesem Blick zu betrachten, aber die Mühe zahlt sich aus und wird belohnt. Kleine Schritte sind der größte Lohn und die größte Anerkennung in meinen Job. Ein Kind, was aggressives Verhalten von Anfang an gezeigt hat, kennt mittlerweile Strategien, nicht mehr in jeder Situation in alte Verhaltensmuster zurückzukehren. Neulich kam es zu mir und sagte: „Können sie sich noch an unsere erste Begegnung erinnern als ich weggerannt bin und sie mir hintergerannt sind? Sie haben mich nicht gefragt warum ich wegrenne, sondern haben mir ihre Jacke angeboten, weil es kalt draußen war. Und sie haben gesagt, dass ich immer zu ihnen kommen kann.“ Ja tatsächlich war das unsere erste Begegnung vor der ich großen Respekt hatte, weil ich die Situation nicht einschätzen konnte und wusste, ob ich richtig reagiere. Anscheinend war mein Bauchgefühl das Richtige, denn heute kommt das Kind oft zu mir, wenn es nicht weiter weiß.

Übergang zur weiterführenden Schule

Ich habe das Glück, dass ich an einer Schule arbeite, wo viele Kollegen mit diesem Ansatz unterrichten und einen ganzheitlichen Blick auf die Kinder haben. Für die Eltern ist das  oft nicht sichtbar, weil sie uns nicht 8 Stunden begleiten, sondern nur winzige Ausschnitte vom Alltag sehen. Meistens sind es tatsächlich nur Sekunden. Ja, man sieht automatisch nur sein eigenes Kind. Wir haben allerdings die Herausforderung eine große Gemeinschaft betrachten zu müssen. Eine Gemeinschaft, in der jeder mit anderen Voraussetzungen, mit anderen Bedingungen und Hintergründen den Schulalltag antritt. Oft frage ich mich als Mama, was eine Note genau über diesen Punkt aussagt. Ein Kind, was in einem Elternhaus groß wird, in dem die Eltern bis spät abends arbeiten müssen, die weder Oma, Opa noch Verwandte und Bekannte haben, die sich um das Lernen lernen kümmern können, haben doch ganz andere Bedingungen als Kinder, deren Eltern am Nachmittag Zeit genau für diese Dinge haben. Ein Kind, was in einer Jugendhilfeeinrichtung groß wird hat doch komplett andere Voraussetzungen als ein Kind, was in einem gut behüteten Elternhaus groß wird. Ein Kind, was in einem Rosenkrieg der Eltern lebt, kommt doch mit ganz anderen Voraussetzungen in die Schule als ein Kind, was aus einer glücklichen Ehe kommt. Ich könnte zahlreiche weitere Vergleiche aufziehen, um darzustellen, dass man hier keine einheitlichen Maßstäbe setzen kann, weil nicht alle Kinder das Gleiche leisten können. Und genau hier setzt mein Blick an. Ich habe meine neue Klasse mit dem Angebot Hausbesuche zu machen, übernommen. Sicherlich ist das befremdlich, denn wer möchte schon gern jemand Fremdes in seinem Haus haben und sich hinter die Kulissen gucken lassen. Für mich ist es ein wichtiger Punkt für meine Arbeit. Da fängt der ganzheitliche Blick an, denn zu Hause agieren Kinder ganz anders als in der Schule und auch der Umgang miteinander ist wichtig zu verstehen. In welchen Konstellationen wird das Kind groß? Mit welchen Herausforderungen beginnt und beendet es seinen Schulalltag? Ein Kind, dass einen langen Fahrtweg hat und 4Uhr aufstehen muss, sitzt 08Uhr mit ganz anderen Voraussetzungen im Unterricht als ein Kind, was direkt an der Schule wohnt. Ein Kind, welches sich allein fertig und das Haus verlassen muss, sitzt mit ganz anderen Voraussetzungen in der Schule als ein Kind, dessen Mama die vergessenen Materialien noch schnell vorbei bringen kann. Ich kann hier zahlreiche weitere Beispiele bringen, denke aber, dass ihr versteht, worum es mir geht.

Ü7 los geht es

Für uns in Brandenburg steht für die sechsten Klassen das Ü7 Verfahren an. Das heißt, dass sie sich für eine weiterführende Schule entscheiden müssen. Das erste Halbjahr ist für Kinder und Eltern durch starken Druck gekennzeichnet. Druck, der selten von den Eltern, eher von den weiterführenden Schulen ausgeht. Möchte man an ein Gymnasium, muss man sich einem Auswahlverfahren stellen, in dem die Noten zählen. Noten, die nicht das berücksichtigen, was eigentlich zu genau dieser Note führt. Noten, die nicht hinterfragt werden, da bei der Masse an Bewerbungen nach Aktenlage entschieden wird. Teilweise hatte ich als Mutter richtig Panikattacken, weil ich Angst davor hatte, dass der Schulwunsch meines Sohnes auf Grund einer Note nichts wird. Meine Kinder müssen nicht aufs Gymnasium, er hat allerdings den Wunsch und ich weiß, was es mit ihm macht, wenn ihm dieser Wunsch verwehrt wird. Er sitzt jeden Nachmittag und lernt. Er lernt, wie viele andere, nachdem er von 08Uhr – 15.Uhr in der Schule gelernt hat. Spielen? Fehlanzeige. Mit 12 Jahren wird ein hoher Anspruch gesetzt. Kindsein bleibt ab hier außen vor.

Note und Leistungsmotivation

Viele denken, dass ein Wegfall von Noten bedeuten würde, dass die Kinder sich nicht mehr anstrengen. Ich kann nur aus Erfahrung sagen: Kinder, die von Haus aus keine Leistungsmotivation haben, erlangen diese auch nicht durch Noten. Noten erreichen hier in meinen Augen eher noch das Gegenteil. Sie werden noch demotivierter und zeigen immer deutlicher, dass ihnen auch eine schlechte Note egal ist. Hier sind die Eltern und die Lehrkräfte bzw. deren Zusammenarbeit gefragt. Es darf keiner auf den anderen schieben, sondern man muss gemeinsam hinter die Kulissen gucken, wo die Ursache der Verweigerung liegt. Oftmals steckt Angst bei Lehrkräften und Eltern dahinter genau diesem Punkt nicht auf den Grund zu gehen. Hingucken bedeutet Wege und Methoden verändern. Veränderung bedeutet Arbeit – zunächst. Manchmal bedarf es nur einer Änderung der Lernbedingung oder des Lernweges. Manchmal aber auch vielmehr. Dieses Vielmehr kostet sehr viel Kraft und auch Nerven. Beides hat man nicht immer und auch wir Lehrer haben nur ein gewisses Maß an Ressourcen und vor allem haben auch wir ein eigenes Privatleben. Oft lese ich: „Das war kein Bestandteil meiner Ausbildung.“ Ja, das glaube ich, aber das ist in allen Berufen so. Ich habe Politik studiert und anschließend in diesem Bereich gearbeitet. Bestandteil meines Studiums war das, was ich dort gemacht habe, nicht. Ich bin es gewöhnt mich fortwährend fortzubilden, um besser zu werden bzw. Prozesse besser verstehen zu können. Ob das irgendwann aufhört und ich fertig bin? Nein, das zu glauben wäre naiv, denn, wie anfangs schon geschrieben, verändern sich Systeme und damit ist man nur gut, wenn man sich stetig weiterbildet. So auch im Lehrerberuf. Natürlich vermittelt das Studium auch nur Grundlagen. Möchte ich besser werden, muss ich mich fortbilden. Ich muss meine Weiterbildungen an die Herausforderungen meines Alltags anpassen. So mache ich zur Zeit ein Studium zur Legasthenietrainerin und eine Fortbildung zur Sozial- ADHS-Trainerin, weil es mein Alltag fordert. Ich möchte nicht erwarten, dass ich Fortbildungen vorgesetzt bekomme, sondern möchte selbst entscheiden, was ich kann und was ich brauche, um meinen Alltag zu verbessern.

Mein Zeugnis an die Schüler

Ich bin Lehrerin für Gesellschaftswissenschaft und habe drei sechste Klassen, die soviel im letzten halben Jahr geleistet haben. Sie sind ganz verrückt nach ihren Noten und wollen sie immer vor der Zeugnisausgabe schon wissen. Von mir haben sie bereits vorher ihre Note erhalten. Ich habe ihnen ihre Note in Worten mitgeteilt. Viele haben während sie es gelesen haben, immer wieder verzweifelt nach der angekündigten Note gesucht. Anderen kamen die Tränen beim Lesen. Am Ende haben alle verstanden, dass in dem Brief eigentlich sehr viel Note drinsteht. Aber lest selbst und bildet euch ein Urteil, ob eine Note mehr als Worte sagen. Eure Kristin

Was Noten nicht sagen

-das andere Zeugnis-

„Also stellte ich mich auf sie ein. Ich sprach mit ihnen über Kartenspiele, Golf, Politik und Krawatten. Und die großen Leute waren sehr erfreut, einen so vernünftigen Mann getroffen zu haben.“ Der kleine Prinz

Liebe 6. Klassen

ich kenne euch nun seit zwei Jahren und durfte eure Gewi-Stunden begleiten und versuchen euer Interesse für die Themen Europa, Demokratie, Wasser und auch Ernährung zu wecken. Bei dem einen hat es mal mehr und bei dem anderen weniger geklappt. Aber wisst ihr, das ist ganz normal. Mich interessieren auch nicht immer alle Themen. Wichtig ist, dass wir zusammen das Beste daraus gemacht haben. Für mich besonders schön waren die Momente, in denen ihr neugierig Fragen gestellt habt, aber auch die Momente, in denen wir miteinander gelacht haben – und die waren nicht selten. Das Fragewort „Hä“ existiert seit 1,5 Jahren und wer weiß, vielleicht bringt es einer von euch in den Duden und damit in die Deutschbücher.

Ich wünsche mir für jeden einzelnen von euch, dass ihr in eurem Leben immer Dinge tun werdet, für die ihr Interesse habt, denn dann ist man ein Leben lang glücklich.

Ich habe gelernt, ihr habt gelernt, wir haben gelernt. Ein Lehrer ist nicht mehr allwissend, soviel darf ich euch heute verraten und mir war es immer wichtig, dass ihr seht, dass auch ich Fehler mache. Fehler sind toll, denn ohne sie, könnten wir nichts lernen. Wir brauchen sie. Ich weiß wie wichtig euch die Noten sind und wie hart ihr um die eine und andere Note gekämpft, ja sogar Tränen verloren habt. Schule ist wichtig, ich weiß. Noten sind wichtig, ich weiß. Aber noch viel wichtiger ist, dass ihr wisst, was ihr könnt und das ist in meinen Augen schon ziemlich viel. Ihr habt gelernt wie man eine Präsentation hält, ohne eine Tapete als Stichpunktzettel in der Hand zu halten und mich pausenlos anzugucken .

Ihr habt gelernt, anderen positive Kritik zu geben und umgekehrt Kritik anzunehmen. Ihr habt gelernt wie man mit einer Karte umgeht. Ihr habt gelernt wie man Wissen über gesellschaftswissenschaftliche Zusammenhänge erlangt. Ihr könnt eine Mindmap anlegen und ein Interview führen. Historische Quellen sind für euch kein Buch mit sieben Siegeln und auch Sachtexte könnt ihr mit euren eigenen Worten zusammenfassen. Ihr wisst wie man ein Zeitfries anfertigt und was es ist. Ich kann euch sagen, dass das nur ein kleiner Teil von dem ist, was ihr mittlerweile könnt. Wenn man sich das so durchliest, ist das doch schon wirklich eine ganze Menge und wisst ihr: solche Sachen sagen viel mehr als eine Note über euch aus. Ihr seid alles tolle Kinder, jeder mit seinen Stärken und Schwächen.

Hier meine liebsten Sätze:

„Frau van der Meer, ich habe die Wochen verwechselt.“, „Frau van der Meer, meine Mama bringt es mir gleich.“

„Hä?“, „Ach, es gibt eine Rückseite?“, „Als ob Frau van der Meer…“

„Was sollten wir jetzt machen?“, „Äääääääähhhmmmm“, „Ach wir sollten das zu HEUTE machen? Ich dachte nächste Woche.“

„Ich war krank und keiner wollte mir verraten, was wir gemacht haben.“, „Ich habe keinen Block dabei.“

„Ach, wir müssen mit Füller schreiben? Das wusste ich nicht.“ „Liniert oder kariert?“, „LOL“

Ich wünsche euch, dass ihr ganz lange Kinder bleibt und auch als Erwachsene das Kind im Herzen bewahrt. Bleibt immer neugierig und stellt vor allem viele Fragen. Sucht nach Antworten und gebt nicht auf, wenn ihr diese nicht sofort findet. Manchmal kann auch Google nicht weiterhelfen. Gerade dann wird das Antwortensuchen interessant.

Ich wünsche euch wunderschöne Ferien und bei euren Bewerbungen ganz viel Glück.

Eure Frau van der Meer

„Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran.“ Der kleine Prinz

und die Tasche bleibt leer

…und dann steht meine Welt still…

Ich müsste packen, doch ich kann nicht. Eine Tasche fehlt und die steht immer noch unberührt in seinem Zimmer. Es fällt mir schwer…immer wenn ich es versuche sind die Bilder wieder da…die Tasche bleibt leer.

„Mama, du musst kommen, Nr 1 ist abgestürzt.“ …das waren die Worte, die ich über das Funkgerät erhalten habe, während ich mit Nr 4 im Lift saß….vor einem Jahr… Ich wusste nicht wie mir geschieht. Der Lift fuhr in diesen Minuten langsamer als sonst nach oben. Von weitem konnte ich Nr 2 sehen und hatte eine Ahnung wie er sich fühlt. Oben angekommen funktionierte ich nur noch. Eine Skigruppe mit Lehrer war direkt neben mir. Ich schilderte ihm die Situation und Absturzstelle. Er machte sich sofort auf den Weg. Ich…stand…regungslos. Dann kam schon die Bergrettung mit dem Skido und ich hielt ihn an, bat ihn mich mitzunehmen….ich ließ Nr 4 stehen. Was ich dachte? Ich habe an nichts gedacht, außer, dass ich zu meinem Kind wollte. Ausgerechnet in diesen Momenten hat das Handynetz versagt, so dass ich niemanden erreichte. Dann der Funkspruch, dass Nr 4 eingesammelt wurde und nicht mehr allein auf dem Berg steht.

Dem Tod in die Augen sehen…

…und dann war ich eingefroren. Ich guckte runter und sah ihn liegen, regungslos…direkt unter dem Gipfelkreuz. Ich rief ihn, doch er regierte nicht. Die Bergrettung kletterte zu ihm…erkennen konnte ich nichts. Ertan kam dazu und kletterte runter, wurde jedoch sofort ferngehalten. Er, der sonst immer der Positive von uns ist und das Gute sieht, hatte einen Blick, den ich noch nicht kannte in all den 15 Jahren…ein Blick der Angst, der Hoffnungslosigkeit.

Ich…funktionierte…rief meinen Papa an, um die Auslandskrankenversicherungsnummer rauszubekommen… Ich wollte all das nicht wahrhaben, es durfte nicht sein. Er ist unser bester Skifahrer und lag da…einfach so….ja, mir laufen auch heute noch die Tränen, während ich diese Zeilen schreibe…Tränen, die ich in diesem Moment nicht zugelassen habe. Auf einer Trage schleppten sie ihn hoch und ich sah in seine offenen Augen. Er guckte mich an und fragte: „Mama, muss ich jetzt sterben?“ … eine Frage, die keine Eltern gestellt bekommen wollen von ihren Kindern.

Zeit ist relativ

…und dann warten wir…auf den Hubschrauber. In den letzten Jahren haben wir immer bewundert wie schnell er am Unfallort eingetroffen ist. An diesem Tag kam es mir vor wie eine Ewigkeit, ja ich bin richtig sauer geworden warum er so lange braucht. Nr 1 zittert, ihm ist kalt, er hat Angst. Ärzte und Pistenrettung sind ein unfassbar gutes Team, machen alles, was man in diesem Moment machen muss – ruhig bleiben. Dann nach 15 Minuten kommt er endlich und landet. Wir wollen mit, durften aber nicht, da bereits zu viele Personen an Bord gewesen sind. Sie nahmen ihn mit und wir fuhren die Piste runter zur Unterkunft. Freunde und Familie kümmern sich um die anderen Kinder, die das alles nicht verarbeiten können. Nr 3 ist verzweifelt, weil er weiß, dass sein Bruder in dem Hubschrauber über ihm liegt. Wir packen die Krankenhaustasche und fahren los. Wir schweigen…jeder für sich…miteinander zu verarbeiten ist schwer. Wir sind mit den Jahren leichtsinnig geworden…fahrlässig…Vorwürfe überschütten uns.

Die Nachricht

…und dann…die Nachricht von ihm, dass er Tetris auf seinem Handy spielt. Ich lache und weine gleichzeitig während ich die Nachricht vorlese. Ich habe mich noch nie so sehr über eine Nachricht gefreut. Er hat seinen trockenen Humor, er ist da! Angekommen im Krankenhaus sehen wir ihn im Vorraum neben vielen anderen liegen. Er hat starke Narkosemittel intus und schläft immer wieder ein, aber wir können ihn im Arm halten. Und wieder warten wir eine gefühlte Ewigkeit auf die Auswertung seiner Untersuchungen. Wir wussten nicht, ob es etwas am Rücken, Nieren oder Becken gewesen ist. Endlich kam ein Arzt und ging mit uns die Röntgenbilder durch: starke Becken- Nieren und Schulterprellung, sonst nichts…Schutzengel…ihr habt euren Dienst getan!

Wir sollten ihn mitnehmen. Er stand auf, wir stützten ihn und plötzlich spukt er Blut, viel Blut. Mir wird ganz anders, ich möchte Ärzte sprechen, aber die haben mit den „richtigen“ Fällen zu tun. Uns wird versichert, dass alles in Ordnung ist. Wir nehmen ihn mit, er schläft bei uns, wir machen kein Auge zu….

Zu Hause

Für mich war der Skiurlaub beendet. Nr 2 machte sich große Vorwürfe, da er im Weg stand und Nr 1 deshalb abgestürzt ist. Wie er damit umgeht, wird der jetzige Urlaub zeigen. Ich merke, dass ich jetzt erst anfange zu verarbeiten. Bis jetzt habe ich erfolgreich verdrängt. Die Piste war weit weg und wir haben absichtlich bis jetzt keinen Winterurlaub geplant. Doch heute geht es ans Tasche packen und es geht nicht. Die Tasche bleibt leer…